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Ein neuer Newsletter mit einem knappen Einblick zur Frage: wie kam das Porzellan eigentlich nach Europa ?
OK, ich gebe zu, das klingt nicht nach News. Soll es auch nicht.
Es ist Background, der mir, die ich in diesem Metier seit nun schon 44 Jahren arbeite, wie Schlicker durch die Adern fließt und an dem ich Euch teilhaben lassen will. Denn am Ende ist dieser Background mein Erfahrungsschatz und der Grund, weswegen ich genau weiß, welche Arbeit eines Amateurs begnadet ist und bei welcher Arbeit ich sage: naja, das Material ist sehr geduldig.
Also kucken wir mal, wie das Porzellan nach Europa kam. |
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Kaufsucht, ganz klar. Imponiergehabe – wer hat die größte Sammlung. Das war im ausgehend 17. Jahrhundert so en vogue unter dem Hochadel. Das Porzellan kam aus China, auf dem Seeweg. Und dass es heil in Europa ankam verdanken wir den Teeblättern, in die es gebettet wurde. (Bestimmt nicht Top-Qualität, wenn die Teeblätter als Verpackungsmaterial genutzt wurden – und bestimmt wurde dieser Teestaub hinterher in England weiterverwendet... reine Spekulation.) |
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Ganz klare Leseempfehlung! Ich hatte das riesige Glück, 2018 anläßlich des 300. Todestages von Johann Friedrich Böttger zu einer Lesung von Edmund de Waal aus eben diesem Werk im Dresdner Zwinger dabei sein zu dürfen.
Böttger war wohl die schillerndste Figur unter den Porzellanneuentwicklern, die da in Sachsen zusammengetrieben wurden.
Sehr zum Entsetzen der anwesenden Historikerin verstieg sich de Waal in herrlichste Spekulationen darüber, dass Böttger den Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus – der maßgeblich an der Entwicklung des Meissener Porzellans, des ersten europäischen Porzellans, mitgewirkt hatte – vielleicht beseitigt hätte, schließlich starb Tschirnhaus plötzlich und die Aufzeichnungen waren auch verschwunden. De Waal empfahl das Ganze als Story für einen Hollywoodfilm – ein herrlicher Abend im Dresdner Zwinger. |
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Ich habe als Autodidakt mit fast nichts begonnen: einem Beutel Ton, einem kleinen Tisch und dem Wunsch, zu verstehen, wie aus Erde etwas Bleibendes entstehen kann. Zu Anfang war jedes Stück ein Dialog zwischen Neugier und Scheitern.
Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich einen eigenen Brennofen brauchte, um den Prozess wirklich selbst in der Hand zu haben und die Verwandlung vom rohen Ton zur fertigen Form tatsächlich komplett zu kontrollieren. Der erste Brand fühlte sich an wie ein Ritual der Hingabe. Er war allerdings auch ein totaler Fehlschlag.
Seitdem entwickle ich ständig eigene Glasuren, teste lokale Materialien und lasse mich dabei von jedem Experiment zum nächsten leiten. |
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Es war das Zeitalter des Rokoko und so prägte diese Stilrichtung nachhaltigst das Porzellan. Erste Speiseservice wurden für den Adel erschaffen. Man denke an das Wunderwerk des Schwanenservices, das für den Grafen von Brühl, damaliger Leiter der Meissener Porzellanmanufaktur, geschaffen wurde.
Mein absoluter Favorit ist der Tafelaufsatz. |
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Noch ganz schnell, bevor ich mich in den Wundern des Schwanenservices verliere: Ich war ab 2018 eine Zeitlang tätig für die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen und in dieser Zeit wurden zwei neue Gourmetteller für das Schwanenservice entwickelt, zu denen ich den Impuls gab: |
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Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist meines Erachtens die Fähigkeit der Modelleure der Manufaktur.
Sie haben diese Tellerformen aufs Schönste modelliert und endlich ist das historische Relief auf dem Rand und sogar unglasiert sichtbar – ich bin tatsächlich riesig stolz, diese Teller mit auf den Weg gebracht zu haben.
Zum Wunder der Erfindung, wie man in Europa Porzellan produziert, seit 1710, sei gesagt:
Das feinste und reinste Kaolin musste gefunden werden, Quarz und Feldspat ebenfalls in reiner und gleichbleibender Qualität – aber dann mussten Öfen gebaut werden, die Temperaturen von 1.400 Grad Celsius aushalten – es musste herausgefunden werden, aus welchem Material die Öfen gebaut werden und wie die Brandüberwachung funktonierte, als die Segerkegel noch nicht erfunden waren, weiß ich auch nicht so genau. Wie immer also: je mehr ich mich mit etwas befasse, umso mehr Fragen tauchen auf.
Jetzt noch ein ganz superkurzer Abriss, was mit dem Material Porzellan nach den feudalistischen Zeiten geschah (ich presche im Schweinsgalopp, da mir zugetragen wurde, die letzten Newsletter seien etwas lang gewesen):
Also: das Großbürgertum erstarkte und es wollte auch so tolles handbemaltes Geschirr. Es entstanden Service, Dekore, Ornamente, die man u.a. frei über die Eisenflecke im Porzellan setzen konnte, um diese zu verdecken (die ewigen Streublümchen). |
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Heute gibt es Produktionsstraßen, in denen alltagstaugliches Geschirr hergestellt wird und niemand mehr Hand anlegt.
Die Produkte sind billig in der Herstellung und da sie dem Massengeschmack entsprechen müssen, sind sie meist nichtssagend. Denn die Produktion ist nur dann billig, wenn zehntausende Teller und Schalen und Becher industriell hergestellt werden können.
Das führt dann dazu, dass die Stücke formal immer anspruchsloser werden. Teller in maximal zwei Größen, Schale, Becher, aus die Maus.
Wir kaufen ein T-Shirt für 12 Euro – dafür wurde auch mal Baumwolle irgendwo angebaut.
Wir kaufen einen Geschirrsatz für 29,99 Euro für vier Personen im Supermarkt und das Porzellan wurde auch bei 1400 Grad Celsius gebrannt. |
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Der Lebensstil hat sich geändert, die geerbten Schätze sind noch immer da. Manch einer freut sich darüber, damit umzugehen – zumeist auch nur zu hohen Feiertagen.
Ich empfehle unbedingt, die Schätze möglichst im Alltag zu integrieren oder wenn nicht täglich, dann wenigstens öfter als nur ein- bis zweimal im Jahr.
Manch einer empfindet diese geerbten Schätze als Ballast. Sie landen dann in Auktionshäusern und Flohmärkten. Hie und da sehe ich Familien und auch Restaurants, die wieder zurückfinden zu der Schönheit einzelner Teile von z.B. handgemaltem Zwiebelmuster – am liebsten natürlich das Original aus Meissen – das ist halt super, weil es vollkommen alltagstauglich ist – ab damit in die Geschirrspülmaschine.
Wenn das Großbürgertum wüsste, wie günstig man diese Schätze heute mitunter erwerben kann auf Flohmärkten – ein Dilemma natürlich auch für die Manufaktur, in der mit dem immergleichen Aufwand die Handmalerei weiter ausgeführt wird, mit den immergleichen Formen und Schablonen, ein unfassbarer Aufwand, der dort immer noch betrieben wird.
Wären die Manufakturen darauf angewiesen, aus eigener Kraft zu überleben, wären viele der alten Techniken längst verschwunden.
Zum Glück gibt es Liebhaber:innen, Gönner:innen, Stiftungen – und so bleibt diese Kunstfertigkeit (noch) erhalten, auch wenn es mitunter etwas museal wird – ich freue mich trotzdem unbändig, dass es solche Schätze noch gibt. |
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Nun ein totaler Stilbruch – eine Restaurantempfehlung meinerseits, mal wieder in Berlin: |
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Kreuzberg, Hinterhof, Garage, nähe Görlitzer Park – klingt jetzt erstmal nicht nach einer Superlocation. Eisbergsalat, Fritten, Hamburger. Nun ja.
Mich interessieren Hamburger und Eisbergsalat null, mich interessiert aber immer wieder die peruanische Küche. Und wenn eine Peruanerin nach Lima und New York jetzt in Berlin loslegt, dann bin ich neugierig und esse dort den besten Eisbergsalat meines Lebens, göttliche Burger – also auf auf ins ARI’S!
www.arisberlin.com
Soeben sehe ich, dass das ARI’S in der Kategorie der Szenerestaurants der Berliner Meisterköche nominiert ist.
Sag ich doch. |
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Und Ihr, was sagt Ihr ?
Aktuelles gibt es ja längst in den sozialen Medien, ein Newsletter ist für mich eher ein Ort, Euch etwas mehr Hintergrund meiner Leidenschaft mitzuteilen.
Empfehlt den Newsletter gerne weiter, auf dass ihn viele lesen!
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